Ich las einmal eine Geschichte die mir bis zum heutigen Tage immer wieder in den Sinn kommt. Die Geschichte handelte von einer speziellen Technik mit welcher im asiatischen Raum seit hunderten Jahren wild lebende Affen gefangen werden. Hierzu wird in eine ausgehöhlte Kokosnuss ein Loch geschnitten dessen Öffnung gerade groß genug ist, dass die Hand eines Affen mit ausgestreckten Fingern hineinpasst. Diese Kokosnuss wird mit einem Seil an eine Palme gebunden und in das Loch wird eine Banane gesteckt. Der Affe entdeckt die Banane, steckt die Hand in das Loch und greift zu. Mit der Banane in der Hand gibt es aber keine Chance mehr die Hand aus dem Loch zu bekommen und somit muss sich der Affe für seine Beute oder die Gefangenschaft entscheiden. Interessanterweise, lassen nur die allerwenigsten Affen los und opfern somit Ihre Freiheit für die Hoffnung auf einen kurzen Genuss.
Was kann man jetzt aus dieser Geschichte ableiten? Sind wir viel klüger als diese Affen oder sind bei uns die Themen nicht einfach nur subtiler und ein wenig besser verkleidet? Ich für meinen Teil habe schon bei vielen Themen erkannt, dass ich die Banane in der Hand hielt und sehr viel dafür opferte. Die Dinge die jene Banane symbolisiert, können unterschiedlichster Natur sein und ich überlasse es der Fantasie welche Formen sie für jeden annimmt.
Es kann ein Festhalten an gewohnten Denkmustern sein, die einst nützlich doch jetzt nur mehr belastend und unfunktional sind oder ein Festhalten an Prozessen mit welchen man nur allzu vertraut ist, welche jedoch schon seit langem das Gefühl vermitteln, dass sie nutzlos geworden sind. Die Banane kann die Form einer Visitenkarte annehmen oder eines Dienstwagens, welchen man schon immer wollte. All das ist auch vollkommen legitim, man sollte aber immer einen klaren Blick bewahren, dass man einen Preis für sein Festhalten bezahlt und abwägen ob sich dieser lohnt oder nicht.
Ausbrechen aus diesen Mustern und Glaubenssätzen, bedarf einer gewissen Form von Mut. Es kann auch oft ein Loslassen sein, welches im Außen nicht gleich für jeden ersichtlich ist, aber in unserem Inneren einem absoluten Befreiungsschlag gleichkommt. Meiner Erfahrung nach trifft man in dem Moment in welchem man die ungesunden Anhaftungen verliert, klarere, mutigere und bessere Entscheidungen. Allzu unreflektierte Abhängigkeiten trüben unseren Blick und wenn der Erhalt des Bestehenden um jeden Preis zum Selbstzweck wird, greift oft eine Stagnation um sich. Diese Stagnation entwickelt sowohl für Menschen als auch für Prozesse oder gesamte Systeme auf Dauer eine toxische und destruktive Wirkung.
Wir leben heute in einer Zeit in welcher die Volatilität immer öfter den Normalzustand darstellt und in welcher sich in unserem früheren Verständnis stabile und in Stein gemeißelte Grundregeln oft über Nacht verändern. Dies spiegelt sich in unseren Technologien, in den Gesetzen der Märkte in unseren geopolitischen Entwicklungen und sogar in unserem Klima wieder. Diese tiefgreifenden Veränderungen bringen sehr oft Dominoeffekte in Gang, welche in ihrer Komplexität nicht mehr zu erfassen sind. Genau an diesem Punkt sind wir auf unsere Fähigkeit zurückgeworfen uns selbst und unsere Strukturen neu zu erfinden und alte Denkmuster und Dogmen loszulassen. Eine Fähigkeit die der Mensch besitzt, aber die ihn immer wieder dazu zwingt außerhalb seiner Komfortzone zu verweilen. Diesen Weg gilt es zukünftig zu beschreiten. Vielleicht erweitert sich dadurch ja unsere Komfortzone, sowohl im Innen als auch im Außen. Was sich auf jeden Fall erweitern wird, ist unser Horizont und unsere Einstellung dazu was wir für möglich halten.